Gerade bin ich aus Ikaria zurückgekommen. Für eine geplante Arbeit wollte ich zusammen mit meinem Mann bisher unbekannte Orte und Aspekte meiner Lieblingsinsel erkunden. Wegen der Krise im allgemeinen, aber besonders wegen der vielen negativen Berichte über Deutschland in griechischen Zeitungen hatte ich dieses Mal vor der Reise tatsächlich Bedenken, ob das Verhältnis zwischen Griechen und Deutschen wirklich so vergiftet ist und ich fragte mich, wie die Begegnungen mit den Ikarioten wohl verlaufen würden.

Willkommen auf der Insel des Ikaros
Zu meiner großen Freude war alles wie immer! Alle ohne Ausnahme waren sehr freundlich, hilfsbereit, gastfreundlich, interessiert, herzlich, unkompliziert. Es gab keine Missverständnisse, keine einzige befremdliche Situation. Erstaunt hat uns aber, dass fast immer – wenn geklärt war, dass wir Deutsche sind – der spontane Ausruf ,,aah, Angela Merkel!“kam, sehr oft mit dem Zusatz: ,,das ist aber eine strenge Frau“, einmal wurde sie sogar als ,,gefährliche“Frau bezeichnet. Ein alter Mann in Manganitis machte den Vorschlag, Angela sollte doch zu ihnen ins Dorf kommen! Auf unsere Frage, was sie wohl dort erleben würde, antwortete er: ,,sie soll sehen, wie es uns geht, ich möchte mit ihr sprechen und mit ihr tanzen und ihr sagen, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht“. Wir fanden diese Vorstellung erheiternd, aber auch sehr berührend!

Sehr oft hörten wir bei Begegnungen die philosophische Feststellung: ,,Ihr seid Deutsche, wir sind Griechen – aber wir sind gleich – weil wir Menschen sind…“. Das bestätigten wir natürlich jedes Mal sehr gerne.

In Griechenland ist eine ganz wichtige Sache anders als bei uns: Politik/Staat und Volk sind getrennt, es hat sich nie die Vorstellung entwickelt, dass das eine Einheit ist. Jeder kämpft zuerst für sich, das ist ein altes kulturelles Erbe. Den gewaltigen Schuldenberg haben die unverantwortlichen und korrupten Politiker angehäuft, die einfachen Leute haben damit nichts zu tun. Umgekehrt ist diese typische Einstellung der Grund dafür, dass es kaum negative Gefühle oder gar Ablehnung gegen einzelne Deutsche gibt – bei den schlimmen Äußerungen oder Karikaturen ist immer die deutsche Politik gemeint.

Wir haben die Ursprünglichkeit dieser vielfältigen Insel sehr genossen und wir wollen versuchen, viele Inspirationen in unseren Alltag hinüberzuretten. Athen mag in diesen Zeiten ,,nervös“sein, aber es gibt keinen Grund, nicht nach Ikaria zu reisen!

 

Geschrieben von Martha Walter, München

,,Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Griechenland. Meine besondere Liebe gilt der Rebetikomusik, dem Traditionellen Tanz, der Sprache. Zu meinem Griechenlandmosaik gehört auch die Volkskunde, die Mentalität, die Geschichte und der Mythos. Für mich gehören all diese Aspekte zusammen, denn sie helfen mir dabei, eine fremde Kultur besser verstehen zu können. Mit meiner Familie habe ich im Urlaub schon viele griechische Inseln bereist, aber zu Ikaria habe ich eine ganz andere, sehr enge Beziehung. Die starke Zuneigung begann, als ich 1997 zum ersten Mal auf die Insel kam, um in der dortigen Schule „Ikarian Center“einen zweiwöchigen Griechischkurs zu besuchen. Seitdem hat Ikaria mich nie mehr losgelassen… ,,

Fotos von Martha Walter. An der Hafenmole von Ag. Kyrikos steht neben der Ikarus-Skulptur: „Willkommen auf der Insel des Ikarus“

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