Schneesturm in Ikaria

Schnee in Ikaria

Kalanda in unserem Laden

Schnee in Griechenland

Ariadne, so heisst der noch immer andauernde Schneesturm in Griechenland. Die Alten sagen, es habe vor 60 Jahren zum letzten Mal so viel geschneit. Auf den Inseln Euböa, Skopelos und Alonnissos schneite es so heftig, dass der Notstand ausgerufen werden musste. Das Land liegt lahm. So auch Ikaria. Es schneite bis auf Meereshöhe und gleichzeitig stürmte es so stark, dass weder Schiff noch Flugzeug die Insel erreichen konnte. Die Schulen waren geschlossen. Die Strassen unpassierbar. Viele Dörfer ohne Strom und Wasser seit Tagen, all das bei Minustemperaturen.

Wir waren eigentlich vorgewarnt

Seit Tagen hiess es im Fernsehen ein radikaler Temperatursturz, orkanartige Stürme und Niederschlag werden das ganze Land treffen. Nach der ungewöhnlichen anhaltenden Trockenheit der letzten Monate, beteten wir alle um Wasser. Die Olivenernte im November war ein Desaster gewesen. Die abgefallenen Oliven bildeten einen dunklen Teppich unter den Bäumen. Sie waren trocken wie Rosinen und die Bäume liessen sie in ihrer Not einfach fallen.

Ariadne übertraf jedoch alle Erwartungen

Auf Ariadne waren wir nicht vorbereitet. Ariadne übertraf alles, was ich bis jetzt je an Schnee in Griechenland mir überhaupt hatte vorstellen können. Es begann mit Schneeregen am Sonntagabend und als ich am Montagmorgen die Haustür öffnete, glaubte ich in der Schweiz aufgewacht zu sein. Eine dicke Schneedecke lag über allem.

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Für mehrere Tage fielen alle Flüge aus und wegen des hohen Seegangs wurde auch die Schiffsverbindung eingestellt. Ikaria war tagelang komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Tönt zwar nicht so dramatisch, immer vorausgesetzt, man hat keinen medizinischen Notfall. Aber schon sehr bald wurde uns die Tragweite durch den Nachschub klar. Die frischen Artikel in den Supermärkten konnten nicht nachgeliefert werden, Benzin und Heizöl wurden knapp.

Eingeschneit

Unser Haus liegt zwar nur 250müM. Unsere Zugangs-Straße war ab dem ersten Tag unpassierbar. Schnee, Eis und umgestürzte Bäume versperrten sie. Wir konnten nicht ins Dorf. Über Facebook erreichten uns Fotos von Gialiskari und Armenistis: zugeschneite Boote, Messachti im Schneesturm! Bis zur Tankstelle in Agios Dimitrios kamen die Autos. Weiter ging gar nichts mehr. Natürlich haben alle nur Sommerreifen und Schneeketten gibt es keine. Schneepflüge schon gar nicht.

Von Christos an bergwärts wurden die Meldungen gespenstisch. Die Menschen waren verzweifelt. Die Viehzüchter konnten wegen den Schneemassen ihre Herden nicht mehr erreichen. Einige Hirten waren eingeschneit.

Wegen der ständigen Steuererhöhungen und darauffolgenden Teuerung, hatten viele Haushalte nur knappe Heizölvorräte angeschafft und konnten so nur stundenweise heizen. Eine Praktik, die sich seit Beginn der Krise verbreitet hat, zeigt sich bei so viel Schnee jedoch als fatal! In vielen Fällen gab es keine Stromversorgung und damit auch kein Wasser und keine Heizung, weil Pumpen nicht betrieben werden oder Wasserrohre zugefroren waren. Ein großes Glück, dass wir auf Ikaria keine Flüchtlinge haben.

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Ariadnes Würgegriff

Nach der ersten Freude, dämmerte es uns langsam. Ariadne, so schön sie auf den ersten Blick schien, war eiskalt und gnadenlos. Die Zitrusbäume sind um diese Jahreszeit voller Früchte. Orangen, Mandarinen, Grapefruit, Zitronen. „Wir müssen sofort raus und alles abpflücken.“ Wenn die Zitrusfrüchte einmal gefrieren, sind sie ungenießbar. Sie werden hohl wie Tennisbälle. Und die Bäume sterben einfach ab.

Noch schlimmer stand es um die Olivenbäume. Sie haben auch im Winter ein volles Blätterdach und schienen unter der Schneelast jeden Moment zusammenzubrechen. Halbe Bäume knackten einfach weg wie trockenes Holz.

Wir zogen uns so alle warmen Sachen auf einmal an. Das Problem waren die Schuhe. Wer von uns hatte schon richtige Schneestiefel? Gummistiefel mussten auch gehen, obwohl uns die Zehen fast abfroren. Stundenlang schlugen wir, bis auf die Unterwäsche vom herabfallenden Schneewasser durchnässt, mit Stöcken sanft den Schnee von den Bäumen, um sie von ihrer schweren Last zu befreien.

Wir hatten keine Vorräte mehr

Nach ein paar Tagen fingen unsere Vorräte knapp zu werden. Da merkt man erst, was man trotz Selbstversorgung so alles dazu kaufen muss. Brot, Milch, Zucker, Kaffee usw. Wir hatten kein Trinkwasser. Die Leitungen waren offensichtlich alle eingefroren und aus dem Wasserhahn tröpfelte nur noch braune Brühe. Das Kaminfeuer (wir hatten gottseidank genug Holz am Trockenen) blieb Tag und Nacht an und wir scharten uns in dicken Jacken in dem einen Raum rund um das Feuer.

Klimawechsel spürbar

Wenn Ariadne auch den Ausnahmezustand gebracht hat, so weisst du nun doch wie ein Wintertag in Ikaria sein kann. Die mir oft so harmlos gestellte Frage: „Wie ist Ikaria und das Leben auf einer Insel eigentlich so im Winter?“ – nun hast du ein Bild dazu.

„Wegen dem bischen Schnee!“ denken Viele, aber Winter ist nicht gleich Winter. Bei uns gibt es keine Winterreifen, keine Schneeräumungsmaschinen, keine Salzwagen und keinen Splitt zum Streuen. Die Häuser sind schlecht isoliert und nicht auf Frost ausgelegt. Wenn dann die Wasserleitungen gefrieren und die Stromleitungen den umgeknickten Bäumen nicht standhalten, kann es schnell gefährlich werden. Ohne Strom, ohne Heizung, ohne Trinkwasser und ohne offenen Kamin bist du verloren. Die Häuser auf den Inseln sind so ausgelegt, dass sie in den heißen Sommermonaten bei 40 Grad schön kühl bleiben. Wenn es aber schneit, ist es manchmal sogar draußen wärmer als in den eiskalten ungeheizten Steinhäusern.

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Das eiskalte Geschenk von Ariadne

Glücklich hingegen über den vielen Schnee waren die kleinen Kinder. Die Jüngsten sahen zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee. Und wenn ich es genau bedenke, dann ist Schnee = Wasser, welches Mensch und Natur so dringend nötig hat. Der grosse Stausee in der Hochebene Pezi war bis auf eine schwarze Schlammschicht fast leer gewesen und sein Wasser stank. Seit Monaten schon wurde das Wasser rationiert. Der geschmolzene Schnee wird den Stausee wieder anfüllen.

Heizöl für die Schulen

Ich bin so froh, dass wir noch kurz vor den Weinachtsferien durch unsere Spendenaktion „Heizöl für die Schulen“ dem Gymnasium/Lyceum von Raches mit 1000€ den Heizöl-Tank füllen konnten. Dank euren vielen kleinen und größeren Spenden!

Die Schulen sind nun wieder geöffnet und wenigstens können die Kinder und ihre Lehrer in beheizten Schulstuben sitzen. Die Aktion läuft noch immer und falls auch du dich beteiligen möchtest, sind wir um jeden Euro dankbar! Zu den Spendenkonten…

Ich freu mich auf deinen Kommentar!

So Viele von euch hatten mich um Bilder vom Schneesturm gebeten, dass ich mich dazu entschieden hatte, Ariadne einen ganzen Post zu widmen. Hat dir der Artikel gefallen?

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2018-01-24T18:07:56+00:00