Auswandern, ein Traum von Vielen! Joey hat es gewagt und ist dabei, sich eine Existenz hier in Ikaria aufzubauen.

Sie ist eine charmante junge Belgierin. Sie lebt in Ikaria, arbeitet als Meditationstrainerin und organisiert Workshops für kreatives Schreiben auf Englisch und auf Nederlands. Joey und ich, wir haben eine Menge geminsam. Wir haben uns beide in die Insel und in „den schönsten Mann der Insel“ verliebt, wir haben wider aller vernünftigen Einwände auf unser Bauchgefühl gehört und uns entschieden hier zu bleiben.

Wolltest du schon immermal gerne besser schreiben lernen, Inspiration finden und deine Bodymindbalance finden? Joey ist kreativ und voller Ideen. Sie macht tolle workshops und ich möchte ihr gerne helfen ihre Arbeit bekannter zu machen.

So habe ich ihr angeboten, dieses Interview für uns zu schreiben. Ich habe es nicht korrigiert, dies ist ihr eigener liebenswerter Stil in Deutsch. Lies das spannende Interview dazu…

Prolog

Ikaria, April 2015 – Joey Brown, eine belgische junge Frau englischer Herkunft, besuchte Ikaria zum ersten Mal im Sommer 2004. Sie kam erst fünf Jahre später zurück. Beim zweiten Besuch nahm sie sich Zeit, um die Insel zu entdecken und … plötzlich verliebte sie sich. „Ich mietete ein altes Auto und fuhr durch die Bergstraßen tagelang. Ich wurde von ihrem Charm und wilde Natur davongetrieben „Nicht lange danach begann sie zwischen Belgien und Ikaria hin und her zu reisen, bis im Jahr 2013 als sie, nach einer langen Reise um die Welt, entschied auf die Insel zu ziehen. In diesem Interview erzählt sie die Geschichte, wie so eine große Entscheidung getroffen wurde.

Was war die treibende Kraft hinter deiner Entscheidung, Belgien und sein bequemes Leben zu verlassen? Warum hast du eine einsame griechische Insel gewählt? Warst du auf der Suche nach etwas Besonderes?

Ikaria antwortete auf einen internen Ruf nach ‚zu Hause‘. Ich reiste ziemlich viel alleine, auf der Suche nach mir selbst, besuchte interessante Orte , wo ich über die Stille und Meditation lernte, aber nirgendwo sonst auf der Welt hatte ich dieses Gefühl von ‚zu Hause‘ erlebt. Es traf mich hart auf den Kopf, und in den Moment erkannte ich, dass ich in Ikaria das Ende meines Fahrweges erreicht hatte. Ich hatte eine harte Zeit um es zu begreifen, ein plötzliches Gefühl. Ich sprach kein Griechisch, und ich war nie ein ‚Fan‘  von Griechenland so zu sagen, meine erste Liebe war immer Italien, Italienisch, Pasta und Pizza – aber in Ikaria fühlte ich mich so zugrunde, so friedlich, dass ich nichts anderes konnte als aufgeben … und bleiben.

Also nein, ich war nicht wirklich auf der Suche nach etwas Besonderes. Ich wusste einfach, dass ich hier sein sollte. Ikaria rief mich. Oder besser gesagt, ich rief  Ikaria. Egal wer zuerst war: beide antworteten.

War es eine momentane Entscheidung oder war es ein Prozess?

Es ist komplizierter. Die erste Entscheidung war für mich getroffen, lange bevor mir die Idee des Bleibens zu Sinn kam. Es geschah während einer meiner ersten Besuche auf der  Insel. Ich wurde von einem jungen Musiker angesprochen, und er sagte: „Du weißt es noch nicht, aber du bist hier um zu bleiben.‘ Und ich erinnere mich an die Gänsehaut. Irgendwo tief drinnen konnte ich fühlen, dass er Recht hatte, aber ich brauchte noch zwei Jahre, um die Idee zu akzeptieren. Die eigentliche Entscheidung traff ich eines Morgens in meine Küche in Ikaria, während ich meine ersten, im Garten angebauten Tomaten, schälte.

Zu dieser Zeit lebte ich schon für 3 Monate auf der Insel , „vorübergehend“. Genau mittens dieser gewöhnlichen Beschäftigung wurde ich von einem ‚Blitz‘ getroffen. Ich konnte eine Stimme hören: „Ich bleibe“. Es war meine Stimme, die laut sprach, während meine Füsse wie Wurzeln in den Boden wuchse. Ich hatte keine Ahnung, was ich machen könnte um etwas zu verdienen und was ich genau auf der Insel machen würde, ich wusste nur: Ich bleibe. Und genau dieser Moment war der Anfang von allem anderen.

Die letzten Schritte und Konsequenzen meiner Entscheidung – ich überwies alle meine Papiere nach Griechenland und habe ein kleines Geschäft eingerichtet – hat noch ein weiteres Jahr gedauert um zu beenden.

Stimmt es, dass die Wintermonate in Ikaria sehr hart sein können? Wie war dein erster Winter? War es schwierig, sich zu integrieren?

Ich mag eigentlich Winter in Ikaria: es ist ruhig, es gibt keine Touristen und die Tage haben ihren eigenen Rhythmus. Ich engagiere mich mit vielen Aktivitäten: Yoga, Damenfußball, griechische Tanzkurse, lateinamerikanische Tänze. Ich liebe es, neue Dinge zu lernen. Und weil ich zu faul bin, um eine Sprache aus dem Buch zu studieren, ist es der beste Weg, um Griechisch zu lernen. Jetzt kann ich ganz gut verwalten, ich fühle mich nicht mehr wie ein Ausländer, und ich tue auch mein Bestes, um auf Griechisch zu lehren.

Aber um deine Frage zu beantworten: der schwierigste Teil meines ersten Winter war genau das: die Sprache. Ich verstand und sprach kein Griechisch, und für Monaten fühlte ich mich ein wenig verloren. Das einzige, was ich tat, war, stundenlang inmitten Gesellschaften von Menschen zusitzen, und dieser fremden Sprache zuzuhören. Ich fühlte mich wie ein Schwamm, das, endlose Reihen von griechischen Wörtern saugte. Aber es half. Jetzt, ein Jahr später, kann ich inmitten einer Gesellschaft von Griechen sitzen und wirklich verstehen, worüber sie sprechen. Aber ich darf nicht vergessen, mein Partner und besten Freund, er schob mich durch die ersten schwierigen Monate, er brachte mir Geduld und Ausdauer bei. „Vergiss  nie, dass du die Fremde hier bist“, sagte er immer, „Die Einheimischen brauchen ihre Zeit, dich sehen, dich prüfen, dich kennenlernen. Du bist nicht der einzige, der Probleme mit der Annahme hat. Auch wir brauchen Zeit um dich aufzunehmen.“ Und das erwies sich so verdammt wahr zu sein. Erst jetzt fange ich an, als ein Teil der Gemeinschaft zu fühlen.

Viele von uns träumen von einem Leben auf einer griechischen Insel. Ist dein Leben dort wirklich wie ein Traum oder ist es alles andere als ein Traum?

Ich kann nicht im Allgemeinen sprechen, weil alle von uns  verschiedene Bilder über das Leben in Griechenland haben, aber mein Leben hier ist auf jeden Fall beides: ein Leben wert träumen und ein Traum zum leben. Ich will nicht sagen, es ist einfach. Aber ich werde es nie bereuen, keine Sekunde, dass ich es versucht habe.

Was sind die wichtigsten kulturellen Unterschiede? Welches ist das Schwierigste für dich? Was macht dich glücklich?

Was mich am meisten angelockt hat, war das gesellschaftliche Leben in Ikaria. Das Gemeinschaftsleben ist stark, alle helfen sich gegenseitig, Türen (Umarmungen und Tröstende Arme) sind immer offen. Es überrascht mich immer noch jeden Tag. Oder die Art und Weise, wie die Einheimischen ihr Essen teilen: in jedem Haus , dass ich hier gemietet habe, fand ich Körbe mit Obst an meiner Haustür, Säcke mit Kartoffeln und Zwiebeln, frisch gebackene Gemüsetorten, Avocados oder frische Eier. Meistens vom Vermieter, ein Nachbar oder ein Freund gebracht. Man kann nicht in ein Haus tretten ohne dass man mit Essen und Wein angeboten wird. Was auch immer in diesem Moment auf dem Herd vorbereitet wird, sei es Ziegeneintopf oder eine Suppe oder einen Kuchen. Und wenn man nicht vorsichtig sind wird man eine Katze oder ein Lamm springend auf dem Schoß haben.

Natürlich gab es einige Schwierigkeiten. Ich war am Stadtleben gewöhnt: Kino, Theater, Konzerte, Workshops, Veranstaltungen und Festivals. O ja, ich vermisse meine Bücher, meine Zeitschriften, meine Kleidergeschäfte, meine Freunde und Familie, einige Luxus und Ästhetik – Ich mag schöne Häuser, Inneneinrichtung, Malerei, Kunst im Allgemeinen. Aber trotzdem, fühle ich mich mit meinem Yoga-Unterricht, meinen Meditationen und meinen wöchentliche Tanzstunden hier auf der Insel absolut glücklich. Ich habe gelernt, mit weniger glücklich zu sein. Ich habe die Natur um mich herum. Ich brauche nur meine Tür zu öffnen und meine Wanderschuhe anziehen, um in der Mitte der schönsten Wasserfälle und Berge zu sein.

Eine andere Sache, die mich total verrückt macht, vor allem, wenn ich Dinge mit der belgischen Weise erledigen will, ist dass die Einheimischen kein Zeitgefühl haben. Ein Ding wie ein enger Zeitplan, eine Agenda oder ein Termin ist nicht vorhanden. Vergiss Plannung! Die Zeit ist überall und nirgends zu finden, aber es ist sicherlich nicht etwas, auf das du dich verlassen kannst!

Siehst du dich für den Rest deines Lebens auf Ikaria leben?

Ja. Unter der Bedingung, dass ich zweimal im Jahr für Workshops und Kurse entkommen kann. Und um meine Familie und Freunde, zu sehen. Mein größter Wunsch für die Zukunft ist, dass ich mein Traum weiter bauen kann  – ein Meditation Haus für das ganze Jahr – so dass ich Lehrer für Workshops und Retreats einladen kann. Schauen wir mal. Zunächst muss ein Haus gebaut werden.

Was ist dein bester Rat für Menschen, die Ikaria besuchen möchten?

Nehmen. Sie. sich. Zeit. Nie planen, öffnen Sie die Tür am Morgen, gehen Sie raus in die Sonne, tauchen Sie im Meer, und lassen sie die Sachen geschehen. Wirklich, der einzige Weg, um Ihre Tage in Ikaria zu genießen, ist sich mitreissen zu lassen. Die Minuten, die Stunden, und die Tage zu leben als ob es so etwas wie Zeit nicht gäbe.

JOEY BROWN´s Webseite: www.manamahouse.com (verfügbar in niederländisch und englisch).

Dir gefällt was Du gelesen hast und Du willst nichts verpassen?

Erhalte alle updates und Neuigkeiten direkt per Newsletter.
Ja gerne! Ich bin dabei!