Herbst in Ikaria – ein Reisebericht

Zum ersten Mal sind wir Ende Oktober auf Ikaria. Es ist herrlich warm, die Kiefernwälder sind immer noch frühlingsgrün, nur die Nadeln am Boden bilden einen rostroten herbstlichen Kontrast. Viele Bäume und Sträucher tragen Früchte und leuchten in warmem Gelb und Rot. In den Gärten blüht leuchtend roter Hibiskus, dazwischen Myrthe mit dunkelblauen Früchten, wunderschön. Im Randiforest beeindruckt uns, wie dieser Baum sein ,,Kleid“wechselt, es ist der seltene Andraklas.

Eine Feuerwehr für Ikaria

Wir treffen auf das Feuerwehrauto. Bei einem sonntäglichen Ausflug zum Kloster Theoktisti treffen wir auf das Feuerwehrauto der freiwilligen Feuerwehr Oberneuland/Bremen. Das ist der Hit! Es kam durch eine Spendenaktion vor einigen Tagen, nagelneu nach Ikaria. Ein Feuerwehrmann aus dem Ort kommt extra mit dem Moped den Berg hinauf und erzählt begeistert, genau auf diesem Modell habe er vor 20 Jahren seine Ausbildung bei der Feuerwehr begonnen.

Praktische Hilfe aus Bremen:  Ein ausrangierter Löschwagen der Bremer Feuerwehr bekommt auf der Insel Ikaria eine neue Aufgabe. Mehr als 3.000 Kilometer muss er von Oberneuland bis dorthin zurücklegen. Radio Bremen begleitet die Reise. Mit dem Auto wird eine Rundreise über die Insel gemacht, begleitet von Kamerateam und Reportern.

Möge es auf Ikaria niemals ein Feuer geben, aber wenn, dann wird es hiermit ,,Wasser marsch“rasch Hilfe geben.

Der Südwind bezaubert uns:

Nach einem Gewitter dreht der Wind auf Süd und ein sehr warmer Wind zieht über das Meer, der Scirocco oder griechisch Sirokos. Wir sitzen auf der von weißen runden Mauern geschützten wunderschönen Veranda der Villa Dimitri, wie eine Symphonie klingt das Strudeln des Meeres von der kleinen Bucht unter uns hinauf, der Wind formt Wasserkaskaden über die Oberfläche und läßt weiter draußen die weißen Schaumkronen aufsteigen und über das Wasser tanzen, wie es ihm gefällt. Die Wolken ziehen schnell, lassen aber immer wieder die Sonne frei und wenn sie über dem Meer untergeht, prägen sich ihre Farben in die Wolken ein und zeichnen Gebilde, die unsere Phantasie über Stunden anregen. Was für ein Schauspiel und die Luft ist so warm.

Zeit für Gespräche

Es ist Nachsaison und damit Zeit für Reparaturen, außerdem steht die Olivenernte an. An den Straßen werden die Bäume zurückgeschnitten, neue Strommasten werden im unwegsamen Gelände aufgestellt, der Strand wird aufgeräumt, Häuser ausgebessert. Bei all dieser Arbeit, die früh beginnt, denn die Tage werden kürzer und um 18.00 h ist es dunkel, ist auf Ikaria immer Zeit für ein Gespräch! Zwei Beispiele sind uns in Erinnerung:

 Ein Hotelier erzählt uns:

Ich habe nie etwas von unserer Regierung gehalten. Sie sind alle korrupt. Nun sollen die, die für die Misere verantwortlich sind auf einmal alles korrigieren? Die sind doch genauso wie vorher. Sorgen habe ich. Es kommen weniger Gäste. Viele wollen und können nicht mehr den vollen Preis bezahlen. Was soll ich machen, wenn die Gäste kommen und sagen, ich zahle 10 EUR weniger. Das rechnet sich nicht mehr für mich. Ich muss Reparaturen machen lassen, Wasser dringt in die Wände.   Wie soll ich das bezahlen. Wir werden kaputtgespart. Frau Merkel ist zu hart mit den Griechen. Nicht die Regierung muss die Lasten tragen, sondern wir! Die Last ist zu groß!   Wir brauchen mehr Zeit. Ich weiß, dass die Regierung vieles verschuldet hat und das stimmt auch. Aber muss deshalb ein ganzes Land kaputtgespart werden?

Solche Aussagen von dem Hotelier, so konkret, fast unter Tränen, sind etwas völlig anderes als Zeitungsmeldungen. Es gab keinerlei Vorwürfe oder kritische Bemerkungen zu uns persönlich. Wir wurden wertgeschätzt. Trotz der schwierigen Lage war das Gespräch sehr herzlich.

In der Taverne

Wir werden von Frau Merkel gepresst. Aber ihr Deutschen werdet genauso gepresst. Ihr erleidet auch Druck, zwar anders als wir, aber eben auch unschön. Wir haben keinen Grund über die Deutschen, die nichts zu der Situation beigetragen haben, schlecht zu reden!

Jede Nationalküche serviert die Wahrheit anders zubereitet.

(Stanislaw Jerzy Lec)

… drum ist das Reisen und Kennen lernen so wichtig

Geschrieben von Andreas Lesser und Kirsten Grimm, Bremen DE

 

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2016-12-13T04:36:02+00:00 November 28th, 2012|0 Kommentare

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