„Blue Zones“ und die legendäre Langlebigkeit der Ikarioten

Alters-Forscher und Wissenschaftler haben auf unserer Erde fünf Regionen herauskristallisiert, wo Menschen prozentual am längsten und gesündesten Leben, die so genannten ,,Blue Zones“ oder ,,Blauen Zonen“.

In Ikaria, Sardinien oder Costa Rica haben beispielsweise die Einwohner die höchste Lebenserwartung weltweit.

Dan Buettner, Gründer von ,,Blue Zones“, New York Times Bestseller-Author, international anerkannter Forscher und Reisedokumentarfilm-Produzent, hat in Zusammenarbeit mit ,,National Geographic“ nun auch in Ikaria geforscht. Seine Bücher über Langlebigkeit und der Schlüssel zum Glück:

Die Fakten:

In Ikaria haben die Menschen bessere Chancen als anderswo

  • um ein Lebensalter über 90 zu erreichen
  • weniger Krebs
  • weniger Herzinfarkte
  • Und kaum Demenz
    Die Ikarioten ernähren sich mit einer Variation der Mittelmeerdiät ( viele Früchte, Gemüse, Vollkorn und Fisch) Sie sammeln viel Wildgemüse und Wildkräuter. Die Forscher haben mehr als 70 verschiedene essbare wild wachsende Kräuter notiert, von welchen viele den Anteil an Antioxydanten von Grüntee oder Rotwein um ein zehnfaches überschritten. Ausserdem werden systematisch verschiedene Kräuterteemischungen morgens und abends getrunken, welche mit der Zeit den Blutdruck sanft senken.
    Ganz wichtig ist in Ikaria die regelmässige Mittagssiesta, ganz besonders bei älteren Menschen. Die Forscher haben herausgefunden, dass diejenigen, welche mindestens fünf mal die Woche ein kurzes Mittagsschläfchen ( halbe Stunde) machen, haben 35% weniger Herzinfarkte und Herzkrankheiten. Man weiss, dass die chemische Blutzusammensetzung sich während der Ruhepause verändert, die Herzfrequenz sinkt und Stresshormone werden auf ein Minimumm gesenkt. Ausserdem ist es auch gut für das Hirn eine kleine Pause einzulegen und die Geschwindigkeit herunterzufahren…
    Die älteren Ikarioten rennen keine Marathone und besuchen auch keine Krafträume. Aber körperliche Aktivität gehört einfach untrennbar zu ihrem Leben. Die Insel ist sehr hügelig. Jedesmal, wenn man also zur Arbeit in die Ländereien oder ins Dorf oder die Kirche geht, geschieht das zu Fuss.
    Was ist allen ,,Blue Zones“ gemeinsam und kurz auf den Nenner gebracht die wichtigste Vorraussetzung für ein langes, gesundes und erfülltes Leben? Der Schlüssel zum Glück!
    Es sind sechs Faktoren, welche ich aus dem Blickwinkel von Ikaria beleuchten möchte und fettgedruckt, einige Anregungen für unseren ,,modernen“Alltag:
  1. Natürliche Bewegung

Sich natürlich zu bewegen ist das Geheimnis der Langlebigkeit. Heute Hundertjährige haben sich ein Leben lang bei der Verrichtung ihrer täglichen Arbeit stundenlang bewegt, ausserdem sind sie immer und überallhin zu Fuss gegangen. Man denke nur an den Schäfer in den Bergen, den Fischer oder die Hausfrau im Gemüsegarten. Natürliche Bewegung in einer natürlichen Umgebung ist Gesundheit für Körper und Seele. Darum sprechen wir hier nicht von Sport in Sport- und Fitnesscentern… Ausserdem ist das Tanzen nicht zu unterschätzen, eine ganz natürliche Art, sich gemeinsam zu bewegen und in Ikaria noch ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Mehrmals im Monat werden zu jedem Anlass zu einheimischer Musik die traditionellen Tänze der Insel von allen Generationen gemeinsam getanzt. In Ikaria kennt man das Wort Seniorentanz nicht. Alle Tänze sind Tänze der Generationen und werden seit je her und immer noch von allen Generationen gemeinsam getanzt. Oft sieht man drei, manchmal gar vier Generationen im gleichen Tanz vereint.

  1. Siesta – Mittagsschläfchen

Sogar Menschen in den ,,Blue Zones“ erleben Stress. Dauerstress macht krank. Darum ist es wichtig, bewusst kleine Pausen einzubauen. Und wenn es nur 10 Minuten sind: fährt die ganze Maschine herunter, beruhigt, entspannt, reduziert den Stress

  1. Ein Gläschen Wein

Moderate Trinker überleben Nichttrinker. Der Trick ist wie bei allem: das Mass. 1-2 Gläschen Wein täglich, am besten mit Freunden und nicht auf nüchternen Magen, sondern mit einer Kleinigkeit zu essen: Meze. (Und nein! Es nützt nichts, alle aufgehobenen Gläschen von unter der Woche am Wochenende nachzuholen!)

  1. Ausgewogene und gesunde Ernährung

wir alle wissen, dass es wahr ist: du bist was du isst! Gesunde Ernährung ist uns allen ein Begriff, auch die Mittelmeerdiät. Aber was viele nicht wissen, jedoch fast noch wichtiger ist: wie esse ich, wann und mit wem!! Essen ist in Ikaria und in allen ,,Blue Zones“ ein interaktives, soziales Ereignis, man isst nicht um sich den Magen zu füllen, man isst gemeinsam, kommuniziert und geniesst. Gutes Essen, ein Glas Wein, Gesang und Tanz gehören untrennbar zusammen und nehmen in Ikaria einen Grossteil des sozialen Alltags ein…

  1. Zugehörigkeit

Ist vielleicht der wichtigste Faktor der Langlebigkeit. Sich mit gleichgesinnten, unterstützenden, hilfsbereiten, aufbauenden Menschen umgeben. Familie ist ganz wichtig, aber auch die unentgeltliche Arbeit für die Dorfgemeinschaft, die gegenseitige Unterstützung in Krisenzeiten, Solidarität und das intakte soziale Netz schützen alle Menschen vor Isolation und Vereinsamung.

  1. Lebensperspektive

Wofür wache ich morgens auf…? Wofür gebe ich all meine Kraft, Energie und Lebensfreude…? In der Familie und der Gemeinschaft bis ins hohe Alter eingebunden sein, sich nützlich fühlen, Aufgaben übernehmen, unentbehrlich sein (zB. für die Enkelbetreuung etc.) einen Sinn und eine Lebensperspektive bis ins hohe Alter finden.

All diese Faktoren prägen die Menschen in Ikaria und bescheren ihnen noch heute ein gesundes und erfülltes langes Leben. Sie sind Ausdruck der Verbundenheit, der Zusammengehörigkeit und der gemeinsamen Lebensfreude!

Siehe auch:

Blue Zones www.bluezones.com

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Siehe auch

2016-12-13T04:36:03+00:00 Juni 29th, 2012|6 Kommentare

6 Kommentare

  1. Regula Christen 01/07/2012 um 18:19 Uhr - Antworten

    Ich glaube, mir ist auch aufgefallen, oder täusche ich mich da?, dass man die Speisen auf dem Tisch anstelle von Salz mit Zitronensaft und Olivenöl würzt!

    • Ursula 02/07/2012 um 12:08 Uhr - Antworten

      Nein, nicht anstelle von, sondern man würzt mit Meersalz, sehr viel Zitrone (ungespritzte) und frischem hochwertigem Olivenöl.

  2. Oskar Senn 01/07/2012 um 21:22 Uhr - Antworten

    Liebe Ursula, siehst Du, deswegen ist ja Ikaria ‚meine Insel‘ geworden!!! Aber eigentlich könnte man überall auf der Welt eine Bluezone einrichten. Was Du mit den 6 Punkten erwähnst ist doch oder wäre das normale Leben, so wie es sein sollte! Aber wir westlichen ‚Dauerläufer‘ sollten halt ein wenig slow-motion üben. Der ewige Dauerstress und Hopp de Bäse ist doch völlig idiotisch. Deshalb auf nach Ikaria auch zum TANZEN ?? J freu mi scho uff e Oktober !!!

  3. Dein Papa 02/07/2012 um 15:11 Uhr - Antworten

    Liebe Ursula, ich finde Deine neue Seite einfach genial und bewundere Deinen Zeitaufwand und Deine Sachkenntnis. Deine Ratschläge für Langlebigkeit sind mir zwar nicht neu, gehen in unserem Leben aber immer wieder vergessen. Werde versuchen, ihnen mehr nachzuleben, besonders was den Wein und das Mittagsschläfchen anbelangt. Mach weiter so, werde Euch bald einmal besuchen. Ganz liebe Grüsse – Papa und Papou

  4. Tuur Manders 18/10/2012 um 16:22 Uhr - Antworten

    Liebe Ursula, auch im letzten Griechischen Tanzkurs auf Ikaria konnten wir die Grundsätze der Langlebigkeit mit dir und unserer „Parea“ (= Tanzgruppe) voll erleben:
    – tägliche Bewegung mit Tanz, Ausflügen und „Hang- & Treppe-laufen“
    – die vielseitige und ausgezeichnete Ernährung in den Restaurants (vorallem bei Evangelia und Thea in Nas und in den Hafen-Restaurants in Armenistis und sogar während unseren vielen Ausflügen)
    – das tägliche Mittagsschläfchen zur Erholung vom Körper, Seele und Geist
    -die tägliche „Jammas“ Gläschen mit herrlichen Ikariotischen Wein (auch beim Weinbauer…)
    – das Gefühl der Zugehörigkeit, das in unserer Gruppe sehr gross war und auch immer wieder mit den Bewohnern der Insel durch Tanz und Begegnung spontan entstand
    – und die Lebensperspektive konzentrierte sich voll auf dieses Ikaria mit seinen lieben Menschen, schönen Sonnenauf- und untergängen, sonnigem Wetter, wilder Natur und dem warmen Meer. Vielen Dank, dass wir das alles mit dir teilen konnten. Viel mehr braucht man eigentlich nicht um älter zu werden!

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